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Volume 102• Number 1

January 2003



 

Die "Judennase" in Thomas Manns Erzählwerk

Yahya Elsaghe, Universität Bern

Die vielleicht makaberste aller Spuren, welche die deutsche Zeitgeschichte in Thomas Manns literarischem Werk hinterlassen hat, besteht in der darin sehr ungleichen Verteilung der jüdischen Figuren. In keinem einzigen der nach dem Zweiten Weltkrieg begonnenen Erzähltexte tritt auch nur eine jüdische Figur auf, während zuvor in ausnahmslos allen Romanen und in etlichen Erzählungen Jüdinnen und Juden vorkommen. Deren Darstellung wiederum weist ihrerseits ein ganz asymmetrisches Muster auf, das ebenfalls die Zeitgeschichte, nämlich die Epochenschwelle des Ersten Weltkriegs reflektiert. Aus den nach dessen Ende konzipierten Texten, aus der Josephstetralogie etwa oder aus der Gestalt eines Abel Cornelius in Unordnung und frühes Leid, spricht Thomas Manns von ihm selber so genannter 'Philosemitismus' (Bd. 13, S. 459), eine vergleichsweise sehr hohe Sympathie wenigstens für die assimilierten respektive für die Juden der Patriarchenzeit.

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